04.03.2021

IGS Newsletter 04/2021

Projekt Smart Cadastre – Geoinformatik neu betrachten / raus aus dem Silodenken

Idee und Konzept

Unser berufliches Umfeld ist in Bewegung. Schlagworte wie Digitalisierung, digitale Transformation, BIM, SmartCity etc. sind in aller Munde und die von ihnen ausgelösten Entwicklungen sollen nicht verpasst werden. Da fragt man sich unweigerlich: Was bedeutet dies konkret für meine Firma / mein Büro, was kann ich tun, wann ist überhaupt der richtige Zeitpunkt, Massnahmen zu ergreifen und wie sollen diese aussehen?

Die IGS will ihre Mitglieder beim Wandel unterstützen und helfen, entsprechende Schritte für die Ausrichtung und Weiterentwicklung der gesamten Branche einzuleiten.

Digitalisierung bedeutet nicht einfach «nur» Einsatz von neuen Arbeitsmitteln. Es ist bereits heute abzusehen, dass der Wandel die gesamten Dienstleistungen und damit auch das Geschäftsmodell unserer Branche verändern wird. Um den neuen Herausforderungen zu begegnen, müssen wir aktiv unsere Grundhaltungen zum künftigen Berufsbild sowie zu unserem Arbeitsumfeld mit Kunden, Mitarbeitenden, Prozessen, Technologie etc. reflektieren. So können wir auch weiterhin eine wichtige Rolle als Geodatendienstleister spielen.

Wie können wir diese Reflexion in der Branche fördern?

Zum Beispiel durch Nachdenken in einer Spurgruppe. IGS hat einer Spurgruppe den Auftrag zur Sondierung der künftigen Ausrichtung der Branche erteilt. Diese setzte sich aus IGS-Mitgliedern und Kantonsvertretern zusammen. Sie haben die folgende Vision entwickelt:


«Dank der Geomatik steht mir als Bürgerin und Bürger das gesammelte Wissen über meinen vernetzten Lebensraum in einer einfachen, aktuellen und verlässlichen Form zu Verfügung. Für den Zugang zu diesen Informationen brauche ich keine besonderen Kenntnisse. Die offene und transparente Dokumentation ist ein Pfeiler unserer Demokratie. Die Informationen können beliebig kombiniert werden und vereinfachen dadurch Beobachtungen, Prognosen und Entscheidungen.»
 

Oder zum Beispiel durch Lernen von erfolgreichen Praxisbeispielen. Anhand des bereits eingeleiteten Wandels im Kanton Genf in Richtung «Smart Geodata for a smart city» hat die IGS aus den konkreten Erfahrungen in Genf allgemein gültige Erfolgsfaktoren und Herausforderungen für eine Transformation in Richtung «Smart Cadastre» identifizieren lassen.

Wichtige Faktoren für eine zielstrebige und nachhaltige Entwicklung sind:

  • Offene Datenbasis
    Wichtiger Erfolgsfaktor, den wir aber als Privatwirtschaft nur indirekt über die Politik unterstützen können.
  • Innovative Grundhaltungen
    «Wer im Thema Grundlagendaten glaubwürdig agieren will, muss der angewandten Praxis immer zwei Schritte voraus sein».
    «Offener Austausch im Kanton, in der Region, in der Schweiz und vor allem auch mit dem Ausland erweitert den eigenen Horizont und eröffnet neue Perspektiven».
    «Gute Ideen experimentell umsetzen, mit dem Endnutzer intensiv testen und in Pilotprojekten pragmatisch optimieren nach dem Grundsatz: Think big – start small – learn fast».
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit
    Datenanalysten und Informatiker ohne Geo-Hintergrund arbeiten anders und ohne Vorbefassung mit Geo-Daten. Sie stellen erfrischend andere Fragen - genauso wie Designer, Soziologen, Prozessingenieure und Arbeitspsychologen.
  • Digitale Prozesse
    Bestehende Abläufe radikal neu denken
    - mit konsequentem Fokus auf digital abgebildete Objekte
      (bisher wurden häufig Planabbildungen modelliert, zum Beispiel bei Bauten)
    - immer entlang des gesamten Lebenszyklus eines Objekts
    - mit konsequenter Elimination von Medienbrüchen
  • Konkreter Mehrwert
    Es gibt in unserer Branche immer noch eine Tendenz zu eher absenderorientierten Entwicklungen nach dem Motto: «Ich finde diese Funktion cool und nun versuche ich, auch die Kunden dafür zu gewinnen».
    Entwicklungen müssen sich konsequent an use-cases ausrichten, die dem Nutzer einen konkreten Mehrwert bringen, und zwar nicht nur in unserer Wunschvorstellung, sondern mit echten Live-Tests.

Zwei zentrale Herausforderungen, damit diese Erfolgsfaktoren zum Tragen kommen, sind:

  • Geoinformation neu denken
    Wir müssen das klassische Verständnis der Geoinformation als Erfassen, Verwalten, Analysieren und Präsentieren von Geodaten (EVAP) überwinden. Geodaten sind vorhanden und müssen effizient aktuell gehalten und den Nutzern in einem rasch wandelnden technologischen Umfeld optimal zur Verfügung gestellt werden.
    - Wir brauchen eine Governance für Geodaten, die den neuen Entwicklungen Rechnung trägt.
       Beispiel: Problematik der aggregierten Datensätze, etc.
    - Wir brauchen Zusammenarbeitsplattformen für die gemeinsame Pflege von Geodaten.
    - «Spatial is no longer special». Die Zukunft der Geodaten muss aktiv weiterentwickelt werden.
     
  • Raus aus dem Silodenken
    Wir müssen das Gärtchendenken von Vermesser – Geometer – GIS – Kataster – GDI – etc. überwinden, sonst werden wir von BigData, Smart City, Künstlicher Intelligenz, Internet of Things, etc. überholt.
    - Die Zukunft gehört den Daten – nicht der Punktbestimmung und nicht den Systemen
    - Die Zukunft ist interdisziplinär – thematisch, juristisch, technisch, sozial, etc.
    - Die Zukunft ist hochgradig vernetzt bezüglich Menschen, Daten, Organisationen und Technik
    - Das Geometerpatent muss rasch auf diese Zukunft ausgerichtet werden.

 

Wo stehen Sie mit Ihrer Firma bezüglich all diesen Erfolgsfaktoren? Wie schätzen Sie die Herausforderungen ein? Sehen Sie weitere zentrale Faktoren und Herausforderungen?

Das möchte die IGS von Ihnen in Erfahrung bringen und hat dazu eine rund 20minütige Umfrage vorbereitet. Basierend auf den Rückmeldungen und Ihren Inputs aus der Umfrage will die IGS anschliessend ein Reifegradmodell «Smart Cadastre» entwickeln. Dieses soll der Branche über die kommenden Jahre eine Einschätzung der Weiterentwicklungen ermöglichen.

 

Fragerunden

IGS wird seinen Mitgliedern das Projekt anlässlich der Fragerunden zu den Statuten vorstellen und Fragen beantworten, so dass dem Ausfüllen der Umfrage nichts im Wege steht.

Die Fragerunden sind für (siehe auch Newletter 2/2021 -> wichtigste IGS-Traktanden, erster Aufzählungspunkt):

  • Französisch Sprechende: : 18. und 23. März 2021, 16.30 – 18.00 Uhr
  • Deutsch Sprechende: 10. März und 17. März 2021, 17.15 – 18.45 Uhr

⇒ Registrierung Fragerunde (Stauten GEOSUISSE, Statuten IGS und IGS-Projekte Kataster.CH sowie Smart Cadastre): Link

 
 

 

Umfrage

Die Umfrage ist vorbereitet und kann ausgefüllt werden:

⇒ IGS-Umfrage Smart Cadastre: Link