Projekt Kataster CH – bedürfnisorientierte, günstige und unabhängige AV-Applikation


Die Idee

Mit der Einführung des neuen Modelles DM.flex für die amtliche Vermessung kam bei IGS-Mitgliedern die Idee auf, eine neue Applikation auf einem Opensource GIS zu entwickeln.

Sie wandten sich mit ihrem Anliegen an den IGS-Vorstand. Dieser hat hat eine Arbeitsgruppe bestehend aus Christoph Wyss (Leiter der Arbeitsgruppe, Wyss und Früh AG), Stephan Tschudi (bbp geomatik AG) sowie Stefan Ziegler (Kantonsgeometer Solothurn) beauftragt abzuklären, ob dies realistisch ist und mit welchen Kosten zu rechnen ist.

Die Arbeitsgruppe hat die Vorarbeiten lanciert und Entscheid- sowie Konzeptgrundlagen erarbeitet.


Die Applikation

Folgende Anforderungen an Applikation wurden festgelegt:

  • Die Applikation muss alle notwendigen Funktionen haben, damit effizient gearbeitet werden kann
  • richtiger Ablauf Mutationsverwaltung (Historisierung)
  • Kontrollen bereits während den Eingaben / Konstruktionen (Flächenverschnitt)
  • Korrekter Umgang mit Kreisbogen
  • Import und Export von Interlis 2 (und Interlis 1)
  • Import und Ausgabe in wichtigste Formate (dxf, Shape, …)
  • Gute Plot- / Druckerfunktionen

Das Erstellen einer Applikation auf einem Opensource GIS ist möglich. Nach der Erstellung ist vor allem der Unterhalt günstig, da keine Lizenzgebühren für das GIS-System anfallen.

Weitere Abklärungen ergaben, dass nur QGIS in Frage kommt. Die Argumente sind:

  • In vielen Büros und Verwaltungen in der Schweiz ist QGIS bereits stark verankert
  • Es gibt bereits viele starke Anwendungen wie QGEP, QWAT und VeriSO
  • Es unterstützt bereits zahlreicher Datenbanken und GIS-Formate
  • Mit dem bestehenden QGIS Model Baker können bereits beliebige Interlis-Modelle eingelesen werden
  • Es gibt starke, engagierte User in der Schweiz und weltweit
  • QGIS wird ständig weiterentwickelt und die User können über Usergruppen Einfluss nehmen
  • Entspricht den gängigen GIS-Standards

Mit dem Programmieren einer AV-Applikation auf QGIS werden die Schweizer Geometerinnen und Geometer unabhängig und haben die Möglichkeit, neue Bedürfnisse schneller programmieren und Fehler schneller korrigieren zu lassen.

Das Programm soll alle heute bekannten Funktionen der aktuellen AV-Programme zur Verfügung stellen. Auf die Programmierung eines Netzausgleiches wird verzichtet, da Swisstopo das Programm LTop als Opensource zur Verfügung stellt.

Die Kosten für die Programmierung werden auf 2 Millionen Franken und die jährlichen Nachführung und Unterhalt der Applikation auf 400'000 Franken geschätzt.

Je mehr Büros mitmachen, desto günstiger werden die Kosten pro Unternehmung. Die IGS hat einen Businessplan erstellt.

Was ist zwischenzeitlich geschehen?

  • Fragerunden für IGS-Mitglieder wurden angeboten und genutzt.
  • Die Firma OPENGISch GmbH wurde mit der Erstellung des Pflichtenheftes beauftragt.
  • Die Begleitgruppe für die Arbeiten rund ums Pflichtenheft wurde neu bestimmt.
    Sie setzt sich wie folgt zusammen: Christoph Wyss (Leitung), Pierre-Alain Saugy (bbp geomatik AG), Matthias Bigler (Dütschler und Partner AG, Martin Baumeler (Grunder Ingenieure AG) sowie Christoph Bhend (Flury AG).
     

Die nächsten Schritte sind:

  • Publikation des Pflichtenheftes (voraussichtlich Monat September 2021)
  • Aufruf zur Interessensbekundung

Die IGS hat mit dem Aufruf seine Geburtshelferfunktion wahrgenommen und abgeschlossen. Die interessierten Firmen organisieren sich hinsichtlich Programmierauftrag und Betriebsorganisation selbst.

IGS-Büros, welche ihr Interesse schon heute bekunden wollen, können dies aus Gründen der Vertraulichkeit wie folgt tun:

Frau Schläppi wird zum gegebenen Zeitpunkt die interessierten Firmen zu einer Startsitzung einladen. Ob und wie sich die interessierten IGS-Büros organisieren, liegt in deren Verantwortung.

Für Auskünfte steht Christoph Wyss zur Verfügung.

Projekt Smart Cadastre – Geoinformatik neu betrachten / raus aus dem Silodenken

Idee und Konzept

Unser berufliches Umfeld ist in Bewegung. Schlagworte wie Digitalisierung, digitale Transformation, BIM, SmartCity etc. sind in aller Munde und die von ihnen ausgelösten Entwicklungen sollen nicht verpasst werden. Da fragt man sich unweigerlich: Was bedeutet dies konkret für meine Firma / mein Büro, was kann ich tun, wann ist überhaupt der richtige Zeitpunkt, Massnahmen zu ergreifen und wie sollen diese aussehen?

Die IGS will ihre Mitglieder beim Wandel unterstützen und helfen, entsprechende Schritte für die Ausrichtung und Weiterentwicklung der gesamten Branche einzuleiten.

Digitalisierung bedeutet nicht einfach «nur» Einsatz von neuen Arbeitsmitteln. Es ist bereits heute abzusehen, dass der Wandel die gesamten Dienstleistungen und damit auch das Geschäftsmodell unserer Branche verändern wird. Um den neuen Herausforderungen zu begegnen, müssen wir aktiv unsere Grundhaltungen zum künftigen Berufsbild sowie zu unserem Arbeitsumfeld mit Kunden, Mitarbeitenden, Prozessen, Technologie etc. reflektieren. So können wir auch weiterhin eine wichtige Rolle als Geodatendienstleister spielen.

Wie können wir diese Reflexion in der Branche fördern?

Zum Beispiel durch Nachdenken in einer Spurgruppe. IGS hat einer Spurgruppe den Auftrag zur Sondierung der künftigen Ausrichtung der Branche erteilt. Diese setzte sich aus IGS-Mitgliedern und Kantonsvertretern zusammen. Sie haben die folgende Vision entwickelt:


«Dank der Geomatik steht mir als Bürgerin und Bürger das gesammelte Wissen über meinen vernetzten Lebensraum in einer einfachen, aktuellen und verlässlichen Form zu Verfügung. Für den Zugang zu diesen Informationen brauche ich keine besonderen Kenntnisse. Die offene und transparente Dokumentation ist ein Pfeiler unserer Demokratie. Die Informationen können beliebig kombiniert werden und vereinfachen dadurch Beobachtungen, Prognosen und Entscheidungen.»
 

Oder zum Beispiel durch Lernen von erfolgreichen Praxisbeispielen. Anhand des bereits eingeleiteten Wandels im Kanton Genf in Richtung «Smart Geodata for a smart city» hat die IGS aus den konkreten Erfahrungen in Genf allgemein gültige Erfolgsfaktoren und Herausforderungen für eine Transformation in Richtung «Smart Cadastre» identifizieren lassen.

Wichtige Faktoren für eine zielstrebige und nachhaltige Entwicklung sind:

  • Offene Datenbasis
    Wichtiger Erfolgsfaktor, den wir aber als Privatwirtschaft nur indirekt über die Politik unterstützen können.
  • Innovative Grundhaltungen
    «Wer im Thema Grundlagendaten glaubwürdig agieren will, muss der angewandten Praxis immer zwei Schritte voraus sein».
    «Offener Austausch im Kanton, in der Region, in der Schweiz und vor allem auch mit dem Ausland erweitert den eigenen Horizont und eröffnet neue Perspektiven».
    «Gute Ideen experimentell umsetzen, mit dem Endnutzer intensiv testen und in Pilotprojekten pragmatisch optimieren nach dem Grundsatz: Think big – start small – learn fast».
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit
    Datenanalysten und Informatiker ohne Geo-Hintergrund arbeiten anders und ohne Vorbefassung mit Geo-Daten. Sie stellen erfrischend andere Fragen - genauso wie Designer, Soziologen, Prozessingenieure und Arbeitspsychologen.
  • Digitale Prozesse
    Bestehende Abläufe radikal neu denken
    - mit konsequentem Fokus auf digital abgebildete Objekte
      (bisher wurden häufig Planabbildungen modelliert, zum Beispiel bei Bauten)
    - immer entlang des gesamten Lebenszyklus eines Objekts
    - mit konsequenter Elimination von Medienbrüchen
  • Konkreter Mehrwert
    Es gibt in unserer Branche immer noch eine Tendenz zu eher absenderorientierten Entwicklungen nach dem Motto: «Ich finde diese Funktion cool und nun versuche ich, auch die Kunden dafür zu gewinnen».
    Entwicklungen müssen sich konsequent an use-cases ausrichten, die dem Nutzer einen konkreten Mehrwert bringen, und zwar nicht nur in unserer Wunschvorstellung, sondern mit echten Live-Tests.

Zwei zentrale Herausforderungen, damit diese Erfolgsfaktoren zum Tragen kommen, sind:

  • Geoinformation neu denken
    Wir müssen das klassische Verständnis der Geoinformation als Erfassen, Verwalten, Analysieren und Präsentieren von Geodaten (EVAP) überwinden. Geodaten sind vorhanden und müssen effizient aktuell gehalten und den Nutzern in einem rasch wandelnden technologischen Umfeld optimal zur Verfügung gestellt werden.
    - Wir brauchen eine Governance für Geodaten, die den neuen Entwicklungen Rechnung trägt.
       Beispiel: Problematik der aggregierten Datensätze, etc.
    - Wir brauchen Zusammenarbeitsplattformen für die gemeinsame Pflege von Geodaten.
    - «Spatial is no longer special». Die Zukunft der Geodaten muss aktiv weiterentwickelt werden.
     
  • Raus aus dem Silodenken
    Wir müssen das Gärtchendenken von Vermesser – Geometer – GIS – Kataster – GDI – etc. überwinden, sonst werden wir von BigData, Smart City, Künstlicher Intelligenz, Internet of Things, etc. überholt.
    - Die Zukunft gehört den Daten – nicht der Punktbestimmung und nicht den Systemen
    - Die Zukunft ist interdisziplinär – thematisch, juristisch, technisch, sozial, etc.
    - Die Zukunft ist hochgradig vernetzt bezüglich Menschen, Daten, Organisationen und Technik
    - Das Geometerpatent muss rasch auf diese Zukunft ausgerichtet werden.

 

Wo stehen Sie mit Ihrer Firma bezüglich all diesen Erfolgsfaktoren? Wie schätzen Sie die Herausforderungen ein? Sehen Sie weitere zentrale Faktoren und Herausforderungen?

Das möchte die IGS von Ihnen in Erfahrung bringen und hat dazu eine rund 20minütige Umfrage vorbereitet. Basierend auf den Rückmeldungen und Ihren Inputs aus der Umfrage will die IGS anschliessend ein Reifegradmodell «Smart Cadastre» entwickeln. Dieses soll der Branche über die kommenden Jahre eine Einschätzung der Weiterentwicklungen ermöglichen.

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